Vor der Keramik habe ich im Büro Tabellen gepflegt.
2019 habe ich die erste Drehscheibe in einen leeren Laden in der Karl-Heine-Straße gestellt. Sieben Jahre Controlling in einem Logistikunternehmen lagen da hinter mir — gute Zahlen, schlechte Hände. Abends habe ich angefangen, in einer Volkshochschulgruppe zu töpfern, und irgendwann gemerkt, dass mir der Montag nur deshalb leichter fiel.
Der Laden war vorher ein Fahrradgeschäft. Es roch noch nach Schmieröl, als ich den ersten Sack Ton hereingetragen habe. Den Ofen habe ich gebraucht aus Halle geholt, im Kombi, mit zwei Freunden und einer Sackkarre. Er läuft bis heute.
Lieber wenig und richtig.
Ich kaufe Steinzeug aus Sachsen und mische die Glasuren selbst an, in kleinen Eimern, beschriftet mit Datum. Eine Glasur, die heute funktioniert, kann in drei Monaten anders fallen — andere Charge, anderes Wasser, andere Luftfeuchte. Das nervt manchmal und ist gleichzeitig der Grund, warum kein Becher exakt wie der nächste aussieht.
Ich verkaufe nichts, was ich nicht selbst benutzen würde. Wenn ein Henkel beim Trocknen einen Riss zieht, kommt die Tasse weg, auch wenn sie sonst schön ist. Das klingt streng, aber heißer Tee findet jeden Riss.
Plagwitz, neben der Spinnerei.
Die Karl-Heine-Straße ist die Hauptader von Plagwitz, ein paar Schritte von der Baumwollspinnerei entfernt. Vor der Tür hält die Tram 14, hinten am Kanal kann man im Sommer mit nassem Ton an den Händen kurz Luft holen.
Wer vorbeikommt, soll reinschauen dürfen, auch ohne etwas zu kaufen. An Brenntagen bleibt die Tür allerdings zu — der Ofen wird über 1200 Grad heiß und braucht seine Ruhe.
Anfahrt & Öffnungszeiten„Ich mache keine perfekte Ware. Ich mache Sachen, die man jeden Morgen anfasst, ohne nachzudenken.“Mira Albrecht